50 Sommer Offendorf

(Folgender Text ist im Rahmen des Jubiläums 50 Sommer Offendorf entstanden und wurde vom CVJM Schneverdingen eingesandt, um im Jubiläumsbuch zu erscheinen. In der gedrduckten Version wird dieser jedoch deutlich kürzer sein; ebenfalls beziehen sich die Bildverweise auf das Printmedium.)

Der eigentliche Beginn der Zeltlagertradition des CVJM Schneverdingen e.V. liegt aufgrund der bald 100-jährigen Geschichte des Vereines etwas im Dunkeln. Jedoch weiß man ziemlich genau darüber Bescheid, dass eines der ersteb Kinderzeltlager nicht in Offendorf, sondern in Goting auf Föhr stattfand. Dieses war 1956 unter der Leitung vom Diakon Johannes Meyer. Auch im Jahr darauf ging es erneut nach Schleswig-Holstein, der spätere Schneverdinger Diakon Helmut Schröder leitete das Zeltlager, das in Krusendorf stattfand. Er war es, der den Platz am Hemmelsdorfer See „entdeckte“ und 1959 das erste Mal nach Offendorf fuhr, allerdings mit Kindern aus Hamburg Neuhof. 1960 fuhr er dann mit Schneverdinger Kindern nach Offendorf, so dass die Schneverdinger fast Akteure der ersten Stunde sind.

(Bild 1:Blick von der Badeanstalt auf den Hemmelsdorfer See)

Um überhaupt erst die Wiese als Zeltplatz nutzen zu können, musste mit dem Wieseneigentümer und Kneipenwirt Karl Gehrk ein „Mietvertrag“ geschlossen werden. Bedingt durch die eigentliche Nutzung als Kuhweide war zunächst einmal eine „Entminung“ der Fläche erforderlich. Im Jahre 1961 fand das CVJM-Zeltlager nicht in Offendorf statt, sondern in Hermannsburg. In Offendorf waren in dem Jahr Kinder aus Holzminden und Hamburg-Wilhelmsburg, unter der Leitung der Diakone Hans Schink und Helmut Schröder.

Das erste größere Lager wurde 1960 in Offendorf von Schneverdingen und Holzminden durchgeführt. Auch dieses Lager wurde von Helmut Schröder organisiert, der seit dem 01. April 1960 Diakon in Schneverdingen war und in der Nachfolge von Hannes Meyer die Zeltlagertradition bis 1970 fortsetzte. In dieser Zeit fanden die Schneverdinger Zeltlager an verschiedenen Orten wie Tossens, Hermannsburg und Gartow statt.

Die Durchführung des Offendorfer Zeltlagers inmitten landwirtschaftlich genutzter Flächen führte zu einigen heute fremdartig anmutenden Begebenheiten. So musste Helmut Schröder als Verantwortlicher vor dem Zeltlager den anliegenden Bauern die Zusage geben, dass ihre Ernte nicht gefährdet würde. Diese Zusage wurde beim nächsten Geländespiel jedoch schon nicht eingehalten. Vor versammelter Bauernschaft stauchte nun Helmut seine Mitarbeiter zusammen (alles mit einem Zwinkern in den Augen, was die Bauern natürlich nicht sehen konnten). Auch waren die Jungen- und Mädchenzelte noch durch Stacheldrahtzaun getrennt. Ob dies aufgrund moralischer Vorstellungen oder einfach nur wegen der gegebenen Standortvoraussetzungen geschah, ist heute ungewiss. Zumindest dürfte eine solche Trennung heutzutage eine verlässlichere Nachtruhe garantieren, für die Sanis aber mehr Einsatz bedeuten.

1972 fuhr man noch mal ein Jahr nach Hermannsburg, doch seit dem Jahr 1973 ging es dann jedes Jahr nach Offendorf; hierbei fanden die Zeltlager (wie auch heute noch üblich) immer im Wechsel mit den anderen zwei Lagern in den Sommerferien statt.

Die ersten paar Jahre wurde z. T. mit der Bahn angereist. Die Hamburger Kinder fuhren vom Hamburger Hauptbahnhof über Lübeck nach Ratekau und legten die letzten Kilometer nach Offendorf zu Fuß zurück, während das Gepäck per Pferdefuhrwerk auf den Zeltplatz gelangte Das Pferdefuhrwerk wurde vom Verpächter und Nachbarn Karl Gehrk gelenkt. Diese Anreise war jedoch recht beschwerlich und seitdem erfolgt die An- und Abreise mit Bussen verschiedener Firmen wie Lange, Becker, Kobbe, Schulz und Schmätjen.

Die Beziehung zu den Einheimischen wurde von Beginn an gepflegt, und so gab es in den ersten Jahren verschiedene Aktionen, wie Fußballturniere um den „goldenen Siegfried“ . Später lud man die Offendorfer zu gemeinsamen Eintopfessen ein, und auch an Lagerspielen nahmen diese gelegentlich teil. Schließlich müssen unsere „Nachbarn“ uns jedes Jahr sechs Wochen rund um die Uhr ertragen und bei Laune gehalten werden.

Mit der Zeit gab es für den Zeltplatz natürlich Auflagen, die es zu erfüllen galt. Dazu fanden 1963 erste Baumaßnahmen statt: Das Waschen im See wurde abgeschafft, der „Donnerbalken“ (irgendwo bei EG 2) verschwand, und der Vorläufer des heutigen Küchengebäudes wurde errichtet. (Bild 2: Blick vom Platz auf das Küchengebäude (rechts) und große Halle)

Das Trinkwasser bekam man zu Anfang von Gehrks, später gab es einen eigenen Anschluss. Dieser war einmal mit Koli-Bakterien verseucht, was Bauchschmerzen zur Folge hatte. Glücklicherweise halfen zwei Bundeswehrsoldaten vom ABC-Schutz mit einem Wassertankwagen aus.

1972 gab es dann endlich überall fließend Wasser

(Bilder 3 u. 4: Blick auf Waschräume und Toiletten)

und eine Grube, die aber immer noch geleert werden musste. Nach einem Zeltplatzunfall in den 70er Jahren in Spanien wurden die Feuerschutzvorschriften strenger. Laut Auflage des Landkreises standen die Zelte in Offendorf zu dicht beieinander. Die strengen Forderungen nach größeren Abständen zwischen den einzelnen Zelten wurden durch platzorganisatorische Veränderungen umgangen, indem man seitdem eine Essensgemeinschaft, bestehend aus einem Jungen-, einem Mädchen- und einem Essenszelt, zu einem Zelt zusammen fasste und somit Platz sparen konnte. Anfang der 80er wurde der Platz durch Zukauf der hinter dem Platz liegenden Weide erweitert.

(Bild 5: Blick in ein Zelt)

Mit dem Ausbau der Zeltplatzinfrastruktur veränderten sich natürlich auch die Möglichkeiten. Insbesondere bei der Verpflegung wurde durch stetige Erweiterungen wie größeres Küchengebäude, Kühlraum und Spülküche eine Erleichterung und Professionalisierung in der täglichen Arbeit erreicht.

Die erste Küchenmannschaft bestand aus Christa Schröder und Heinz Haase (Schwager von Christa und Helmut Schröder). Einige folgende Jahre wurde Christa Schröder auch von Hanna Vorwerk unterstützt. Ab 1972 übernahm Hanna Brunkhorst für viele Jahre die Küchenleitung.

(Bilder 6, 7 und 8: „Tante Hanna“ beim Befüllen der Abwaschwannen, zusammen mit Ursel Schirmer und schließlich die Küchenmannschaft vor der Essensausgabe)

Seit 1990 hat Thorsten Hebenbrock fast durchgehend diese Rolle inne. Dieser Generationenwechsel brachte einige Veränderungen mit sich. Unter anderem wurde das morgendliche und abendliche Brote schmieren für alle Teilnehmer eingestellt.

(Bild 9: Geschmierte Brote vor der Ausgabe)

Wichtig für die Versorgung ist selbstverständlich nicht nur das Zubereiten, sondern auch die Beschaffung von Lebensmitteln. In den Anfängen kaufte man vor Ort in Offendorf viele Dinge des täglichen Gebrauchs (wenn die mitgebrachten Vorräte aufgebraucht waren) beim lokalen Kaufmann Günther Pfensing, später ging man zum Großeinkauf in Großmärkten wie der Metro über. Hierzu bekam man Günther Pfensings Einkaufsausweis. Heute wird der Großteil des Bedarfs bei CITTI in Lübeck eingekauft. Bei diesen Einkäufen wird parallel der gesamte Zeltlagerbedarf mitbesorgt. Mittlerweile gibt es einen nur hierfür zuständigen Mitarbeiter, der manchmal mehrmals täglich unterwegs ist, um die diversen Wünsche aller Lagerbereiche zu erfüllen.

(Bild 10: Sonntags gab es oftmals Torten für alle Essensgemeinschaften)

Eine Einrichtung, die es ebenfalls von Anfang gab, ist das Sanizelt. Dort sorgen bis heute immer zwei bis drei Mitarbeiter rund um die Uhr für das gesundheitliche Wohlergehen der Teilnehmer. Über die Jahre hinweg gab es die verschiedensten gesundheitlichen Probleme. Von Erkältung, über Sonnenstich und -brand bis zu schnell übertragbaren Magen-Darm-Erkrankungen oder einfach nur Heimweh (macht Bauchschmerzen!?). Diese wurden mal bei einigen, mal bei vielen Kindern stets bewältigt, auch wenn schon ganze „Quarantänebereiche“ eingerichtet werden mussten. Einen Abbruch des Lagers trotz Krankheit, Dauerregen oder anderer Krisen hat es bis heute jedoch nie gegeben, unter anderem auch dadurch, dass stets eine enge Verbindung zu den Ärzten Dr. Gülsdorf, der auch DLRG-Bezirksleiter war, und Dr. Seidel bestand/besteht.

Während in den Anfängen fast alle Mitarbeiter ausschließlich für die direkte Betreuung der Kinder zuständig waren, hat sich im Laufe der Jahrzehnte ein breites Aufgabenspektrum entwickelt. In den einzelnen Aufgabenbereichen werden jeweils einige Mitarbeiter entsprechend ihrer Fähigkeiten, Kenntnisse und Interessen eingesetzt. Ein Arbeitsfeld ist der Programmbereich. Hier erarbeiten und gestalten Mitarbeiter Großveranstaltungen wie Bergfest, Fußgängerrallyes, Ausflüge, Lagerwettkämpfe und so weiter.

(Bilder 11 u. 12: Lagerwettkämpfe)

Das Bastelteam bietet im Bastelschuppen eine große Fülle an Ideen, Hilfestellung und Materialien für Bastel- und Spielangebote.

(Bilder 13-16: Im Anfang reichte noch ein Bastelzelt, im Laufe der Zeit vergrößerte man sich. Die gebastelten Dinge werden oftmals sogar ausgestellt.

Zur Umsetzung eines geistlichen Themas sind Mitarbeiter mit der Durchführung von Gottesdiensten, gemeinsamen Anfängen und Abschlüssen sowie weiteren Aktionen betraut. Im Vordergrund steht kindgerechte Nahebringung der frohen Botschaft durch gemeinsames Singen, Beten und Spielen.

(Bilder 17-19: Gemeinsames Singen am Lagerfeuer, Gottesdienst im Zelt und in der großen Halle)

Im übrigen fallen hausmeisterliche Tätigkeiten, Kinderpost, Kiosk, Verwaltung des Taschengelds,(Bild 20: Bei der Taschengeldausgabe)

Aktionen wie Pizzabacken, (Bild 21: Pizzabacken am alten Backofen) Kanu fahren (Bild 22: Sammeln am Fahnenmast, bevor es zum Kanufahren auf dem See geht)

und jüngst auch Klettern unter Anleitung mit professioneller Ausrüstung an. (Bild 23: Bei schlechtem Wetter kann man auch in der großen Halle klettern)

Trotz aller dieser verschiedenen Arbeitsbereiche liegt die wichtigste Arbeit in den Händen der Zeltmitarbeiter, welche Tag und Nacht die Verantwortung für „ihre“ Kinder tragen.

(Bild 24: Gemeinsames Schwimmen in der Badeanstalt am See)

Für die Auswahl der Mitarbeiter, Organisation und Führung des gesamten Zeltlagers ist die Lagerleitung verantwortlich. Bestand diese anfangs noch aus einer hauptamtlichen Person, verteilt sich diese Last mittlerweile auf mehrere zumeist ehrenamtliche Schultern.

Obwohl die Mitarbeiter in den sechziger Jahren den vollen, später nur noch den halben Teilnehmerbeitrag bezahlten und heute kostenlos mitfahren, erkannte man schon in den Anfangsjahren, dass der ehrenamtliche Einsatz der vielen Mitarbeiter einer Würdigung bedarf. Zu Beginn der Zeltlagertradition gab es für die Mitarbeiter ein kleines persönliches Geschenk als Dankeschön nach ihren Wünschen. 1966 fand zum ersten Mal eine Nachbereitungsfahrt statt; man fuhr ein Wochenende nach Kopenhagen. Dort ging es 1970 wieder hin; natürlich nicht, ohne unterwegs zu einer „Behandlung“ bei Dr. Gülsdorf einzukehren. Die Tradition der Nachbereitungswochenenden ist bis heute erhalten geblieben. Angesteuerte Ziele waren seitdem Berlin, Amsterdam, Cuxhaven, Spiekeroog, Berlin, Langeland, Harz, Koblenz, Kreuzkamp, Göteborg, Wien, Köln und viele andere.

Im Laufe der Zeit kann man unterschiedliche Ausprägungen in der Arbeit und im Umgang mit Kindern und Mitarbeitern feststellen. So hatte das Lager in den sechziger Jahren eine starke sportliche Prägung, die sich durch ein starkes sportliches Engagement des CVJM Schneverdingen zuhause ergab. So fanden Lagerolympiaden (Bild 25: Aufbau eines Wettkampfparcours)

und Leichtathletikwettkämpfe auf dem Sportplatz in Ratekau statt. Diese Leichtathlethik-Sparte vereinigte sich später mit dem TV Jahn Schneverdingen.

War der vorherrschende Führungs- und Leitungsstil im Lager anfangs eher autoritär ausgerichtet, fand in den siebziger Jahren ein Umbruch statt. Seit diesem Zeitraum erfolgte eine stärkere Einbindung von Kindern und Mitarbeitern. Diese äußerte sich unter anderem in Einrichtungen wie Lagerzeitung, Lagerrat, die mittägliche 12-Uhr-Besprechung der Mitarbeiter sowie Besprechungsgruppen. Zu den vermehrten Rechten der Kinder kam es auch zu erweiterten Pflichten, wie den Dienst-Tag.

(Bilder 26+27: Die „diensthabende“ Essensgemeinschaft beim gemeinsamen Kartoffelnschälen und abends beim Grillen als Auftakt zur Nachtwache vor der Nachtwachenhütte)

Auch das Miteinander aller Mitarbeiter wurde durch „Pflichtabende“ verstärkt betont. Hierbei stand das gesellige Beisammensein mit viel gemeinsamem Singen im Vordergrund.

(Bild 28: Gemeinsames Essen aller Lagerteilnehmer auf dem Zeltplatz)

Neuerungen ergaben sich insbesondere in der Programmgestaltung. Gab es Nachtwanderungen (früher sogar nach Timmendorfer Strand), Fußgängerrallyes, Kutterfahrten auf der Ostsee,

(Bilder 29-31: Kuttern auf der Peter II auf der Trave und hinaus auf die Ostsee)

Karl-May-Festspiele und Lagerolympiaden bereits seit den frühen Anfängen, kamen später weitere Ausflüge und Aktionen hinzu. Besuche des Hansa-Parks, des Freilichttheaters Lübeck,(Bild 32: Im Freilichttheater in Lübeck)

der Ostseetherme Scharbeutz, des Sea-Life Timmendorfer Strand und anderer Attraktionen stellten immer wieder Höhepunkte einzelner Lager dar. Durch verändertes Freizeitverhalten der Teilnehmer unterlagen auch die Aktionen vor Ort einem steten Wandel. Vermehrt wurden Aktionen nach Vorbildern in den Medien angeboten. Neben noch „antiquiert“ anmutenden Veranstaltungen wie Lagerzirkus und Lagerjahrmarkt, stellt sich z.B. heute das in der Mitte des 14-tägigen Lagers stattfindende Bergfest als multimediale (Fernseh)show dar, unterstützt von immer mehr technischen Raffinessen wie Musikanlage, Lichtanlage, Beamer oder Funkmikrofonen.

(Bild 33: Bergfest 2007)

Hauptakteure bleiben hierbei jedoch nach wie vor die Kinder mit einstudierten Einlagen und Beiträgen. Während früher die Lagerfahne als schützenswertes Symbol galt, das vor Fahnenklau bewahrt werden musste, halten heutzutage mehr und mehr Konzepte wie Kindertheater und erlebnispädagogische Aktionen Einzug.

(Bild 34: Gemeinsam werden Ballons mit Wünschen steigen gelassen.

Die Teilnehmerzahlen entwickelten sich immer auf und ab. Am Anfang fuhren ins Zeltlager nur ca. 80-100 Teilnehmer mit, bis es in den sechziger Jahren bergauf ging: 1968 wurde mit der Teilnahme von 285 Kindern ein bisher ungeschlagener Rekord erreicht. Tiefstpunkt mit knapp 130 Teilnehmern war 1983. In den letzten Jahren lag die Teilnehmerzahl konstant bei ungefähr 200 Kindern, und somit war das Lager fast immer ausgebucht.

Der Teilnehmerpreis belief sich anfangs auf 55 Mark und stieg bis heute auf 175 Euro. Um die Teilnehmerzahlen möglichst konstant zu halten und um einen ausgeglichenen Haushalt zu erzielen, ging man bei geringer einheimischer Teilnehmerzahl dazu über andere Gemeinden für eine Partnerschaft zu gewinnen. Diese brachten etwa immer 30-40 zusätzliche Kinder und einige Mitarbeiter mit ein. In den siebziger Jahren und Anfang der achtziger gab es eine Partnerschaft mit Bleckede. In den späten 80er ergab sich zweimal eine Kooperation mit einer Gemeinde aus Neustadt am Rübenberge sowie einer aus Hannover. Von 2001 bis 2003 fuhren Kinder und Mitarbeiter aus der Gemeinde Witten-Herbede mit. In dieser Gemeinde ist der aus Schneverdingen stammende Thorsten Schröder als Diakon in der Jugendarbeit tätig und dieser übernahm in dieser Zeit auch die thematische Leitung.

Seit 2004 führen wir nun unser Zeltlager wieder alleine durch.

Bei vielen Teilnehmern gibt es naturgemäß auch viele Eltern, die bei der langen Abwesenheit ihre Kinder vermissen und gerne wissen möchten, wie es diesen geht. Hierzu reicht nicht immer ein Brief oder eine selbst gebastelte Postkarte bzw. ein Telefonanruf aus der chronisch kaputten und überfüllten Telefonzelle. Es muss dann schon ein persönlicher Besuch sein. Diese Besuche wurden anfangs großzügig akzeptiert. Da sie gerade sonntags ausuferten, wurde insbesondere im Interesse von Heimweh-Kindern beschlossen, sie einzugrenzen. Um den Besuchen vorzubeugen, führte man Anfang der 70er Jahre informative Elternabende vor Zeltlagerbeginn ein, bei denen Mitarbeiter das Lagerleben und dessen Anforderungen wie Kleidungsbedarf und Abläufe erläuterten. Da nicht alle Familien immer über ausreichend finanzielle Mittel verfügten, um die Teilnehmerbeiträge für oft mehrere Geschwister aufzubringen, galt das Kinderzeltlager von Anfang als Jugenderholungspflegemaßnahme.

Über die Jahrzehnte wird eine derartige Maßnahme vor allem (nicht nur) durch die leitenden Persönlichkeiten geprägt. Lag diese Leitung zunächst bei Helmut Schröder, erwarben sich in den späten 60er Jahren auch ehrenamtliche Mitarbeiter Mitsprache- und Mitwirkungsrechte. Von 1972 bis 1979 leitete Wolfgang Wattjes das Lager. Dieser gewann fürs Zeltlager viele neue Mitarbeiter und wurde hierbei von Dieter Möhrmann und Erich Vorwerk unterstützt. Erich Vorwerk war im übrigen viele Jahre für die Anmeldung und Abrechnung zuständig.

1980 ging Wolfgang Wattjes ins Landesjugendpfarramt. Als nächster Hauptamtlicher fuhr daraufhin Manfred W. Thies einmal mit ins Zeltlager, wiederum mit Hilfe von Erich Vorwerk und Dieter Möhrmann in der Lagerleitung.

Von 1981 bis 1983 fand das Zeltlager mit dem damals neuen Jugenddiakon Reinhard Hoffmann statt. Der neue Diakon sorgte wieder für frische Mitarbeiter. Mit dabei war u. a. Bernd Schröder, der später auch Vorsitzender vom CVJM Schneverdingen e.V. war.

1984 übernahm Diakon Heinz Czienienga das Zeltlager. Parallel stiegen wieder einige alte Mitarbeiter ein, die schon mit Wolfgang Wattjes gemeinsam gearbeitet hatten. Unter anderem war Michael Schirmer dabei, der im Jahre 2005 sein 25. Zeltlagerjubiläum als Mitarbeiter feierte. Neu im Team war Christian Heinze (geb. Meyer), in den Anfängen als „Luma-Proppen“ (flickte Luftmatratzen und war „Junge für alles“), zuletzt war er bis 2005 lange Jahre in der Lagerleitung.

1998 trat Jörg Pahling Czieniengas Nachfolge an. Diese währte bis ins Jahr 2000. Als weiterer hauptamtlicher Mitarbeiter der Kirchengemeinde fungierte von 2004 bis 2006 Diakon Dietmar Küddelsmann.

Im Jahre 2007 fuhren wir nach einigen Auseinandersetzungen mit dem Kirchenvorstand der Peter- und Paul-Kirchengemeinde Schneverdingen zum ersten Mal in der Geschichte des Zeltlagers ohne einen hauptamtlichen Mitarbeiter der Kirche ins Zeltlager. Die thematische Gestaltung übernahmen dabei die beiden ehrenamtlichen Mitarbeiter Johannes Schirmer und Nico Baden.

(Bild 35: Begleiter des Themas über mehrere Jahre: Der Rabe Knut)

Immer war das Kinderzeltlager eine Freundschaften und Beziehungen stiftende Institution. (Bild 36: Kleine Freunde)

Aus vielen Familien waren schon mehrere Generationen auf dem Platz vertreten, in machen Fällen sogar gleichzeitig. Die Familie Schirmer beispielsweise war mit Oma Ursel, den Eltern Sigrid und Michael und ihrem Sohn Johannes häufig zugegen. Auch die Schröders sind lange und gern dabei. So hinterließen Ulrike und Heiko uns zwei aktive und zwei potentielle Mitarbeiter. Ebenso gehören die Meyers quasi zum Inventar, und auch der Name Vorwerk ist seit Jahrzehnten vertreten.

Obwohl man fleißig für Nachwuchs sorgte, gab es in einigen Jahren Probleme der Mitarbeiterrekrutierung. Fand man bis in die 90er Jahre ohne Schwierigkeiten jedes Jahr ca. 50 neue bzw. alte/erfahrene Mitarbeiter, die sich zu zwei Wochen ehrenamtlicher Arbeit bereitfanden, setzten danach Probleme bei der Anwerbung neuer Mitarbeiter ein. Als Reaktion hierauf wurde 1994 zum ersten Mal ein Lehrgang zum Erwerb der Jugendgruppenleiterkarte (JULEICA) für Jugendliche durchgeführt. Diesen leiteten die ersten Jahre Michael Schirmer und Ilka Schlumbohm (geb. Bosselmann), später übernahm Holger Dierking diese Aufgabe. Dort wurden künftige Betreuer „ausgebildet“, aus deren Reihen man dann Mitarbeiter für Offendorf gewinnen konnte.

Heute verfügt das Kinderzeltlager des CVJM Schneverdingen e.V. über einen großen und erfahrenen Mitarbeiterstamm. Bereits kurz nach Erscheinen der Anmeldungen ist das Lager ausgebucht. Die hohen Teilnehmerzahlen und Spendenbereitschaft verschiedener Institution und Einzelpersonen ermöglichen zumeist ein finanziell ausgeglichenes Zeltlager. Die zunehmende Erfahrung der Mitarbeiter und Vornahme weiterer Anschaffungen ermöglichen ein immer breiteres Spektrum anspruchsvoller Freizeitgestaltung.

Durch die jahrzehntelange Tradition des Kinderzeltlagers ist diese Maßnahme tief in der Bevölkerung Schneverdingens verwurzelt. Etliche Schneverdinger und deren Familien sind auf irgendeine Art und Weise mit dem Zeltlager verbunden, haben schöne Zeiten dort durchlebt und entweder das Angebot als Teilnehmer genossen oder als ehrenamtlicher Mitarbeiter einen kleinen oder großen Beitrag zum Gelingen und Überleben dieser ganz besonderen Ferien- und Freizeitmaßnahme geleistet. Für die Zukunft des Kinderzeltlagers Offendorf des CVJM Schneverdingen e.V. ist weiterhin diese Bereitschaft vieler ehrenamtlicher Helfer und Mitarbeiter aus unserer Region und die jährlich erneute Begeisterung der mitfahrenden Kinder und ihrer Eltern für das Kinderzeltlager wünschenswert. Dies sollte uns ermöglichen, auch zukünftig eine sinnvolle und anspruchsvolle Ferien- und Freizeitgestaltung für Kinder zwischen 8 und 13 abseits des „Mainstreams“ zu gestalten und vielen jungen Menschen durch die Rolle als ehrenamtliche Mitarbeiter eine Möglichkeit zur Selbstentfaltung und des Erlebens von Gemeinschaft zu geben. Hierbei sollte der christliche Glaube nicht nur durch Verkündigungsarbeit Niederschlag finden, sondern wir sollten uns stets bemühen, unser Denken und Handeln an diesem auszurichten. Diese Handlungsmaxime war in der Vergangenheit und wird auch in der Zukunft die wichtigste Säule für den Bestand des Kinderzeltlager Offendorfs sein.

(Bild 37: Einer der vielen, vielen wunderschönen Sonnenuntergänge im Zeltlager)